da hätte ich mir gar nicht so viel gedanken machen müssen, ob shuyao nun an karneval schließen sollte oder nicht – alle mitarbeiter liegen mit magen-darm-infekt krank darnieder und sind krank geschrieben. und die reservekräfte ebenso labil mit grippe … grenzt an ein wunder, dass ich noch fröhlich durch die gegend laufe. jedoch wird der gedanke das immunsystem bestärkt haben, dass es ohne mich dann gar nicht mehr geht.
allerdings haben auch mich die letzten wochen sehr viel kraft und mut gekostet. der gedanke an fünf freie tage hat mir den inneren trieb erhalten, doch ich fühle mich ziemlich ausgelaugt. tägliches chaos-management, mal in der küche einspringen, mal im service, und immer adhoc ohne vorankündigung, schrubben mein nervengerüst ziemlich blank.
fünf monate sind nun rum seit der eröffnung von shuyao. ein auf und ab der gefühle. die lernkurve ist steil, wir lernen jeden dazu, die umsatzkurve ist leider weniger steil, wir üben uns in geduld.
an guten ratschlägen mangelt es nicht, gefragt und ungefragt. es meint ja jeder nur gut. nur die kluft zwischen tollen gedanken ‚mach doch mal …’ und der mühsamen ausführung – die kosten nicht zu vergessen – sind manchmal dramatisch. es lässt sich halt leicht so daher sinnieren. wie gesagt, es meint ja jeder nur gut.
gefährlich ist die reine fokussierung auf seinen eigenen mikrokosmos. andere heiraten, bekommen kinder, schaffen ebenso ihren mikrobereich, der alles bislang dagewesene überlagert. ich habe eben shuyao geboren, das sich in jede ritze meines leben einnistet. positiv und negativ. es war nicht anders zu erwarten, kein jammern, nein, aber die last bürdet sichtlich auf meinen schultern, die nach unten wegknicken.
es macht einen unterschied, ob man abends nach hause kommt und sich mitteilen kann, gedanken und sorgen loswird, freue teilt, oder ob alles mit sich selbst ausgemacht wird. keine ablenkung, wenn man sich nicht selbst dazu zwingt. keine relativierung der sorgen, wenn der anstoß von außen fehlt.
da rettet die hartnäckigkeit mancher. die auch die dimensionen zurecht rücken. aufmunterungsrufe verbrauchen sich schnell, aber kritisches mitdenken und konkrete hilfe sind unschätzbar. nicht zu lange darüber reden, machen und sehn, ob es was bringt. die realität holt einen schnell genug ein.
habe noch keinen einzigen moment bereut. allerdings taucht schon die frage ab und an auf, ob es nicht irgendwie anders gedacht war? den businessplan kann ich komplett in die tonne hauen. hol eine glaskugel raus und frage dich jeden morgen aufs neue, was bringt der tag. ist das wetter gut, haben die leute lust auf tee, ist shopping-zeit oder bleiben die leute zu hause?
eine regen haben wir sehr schnell erkannt: es gibt keine. mal boomt der dienstag, dann ist es wieder der donnerstag, mal ist es das mittagsgeschäft, mal der späte nachmittag. richte dich einfach auf alles ein, denn niemand kann sagen, wie es kommt.
daran muss man sich gewöhnen lernen. sehr schwer für jemanden wie mich, der gerne analysiert die dinge unter kontrolle halten möchte. sehr schwer. lernt mich mentale demut. nimm die tage, wie sie sind. hadere nicht, schau nach vorne.
die energie und glücksgötter sind mit uns. keine frage. viele spüren es und teilen es uns mit. das gibt neue mut für die tage, die eben nicht so toll laufen. denn auch ein außergewöhnlich schöner raum gibt nicht viel her, wenn er leer bleibt. das schlägt dann auch auf die psyche, schlimmer als manch physische belastung.
aber shuyao ist ein erfolg. und es geschieht ein wunder bei mir. das habe ich amtlich. innnerhalb der nächsten drei monate.
tolle kunden hat shuyao. angenehm, gebildet, weltoffen und interessiert, die genuss und qualität schätzen und dies auch einfordern. sehr direkt sein können, was spaß macht.
damit muss man umgehen können. das personalthema ist und bleibt wohl immer das größte thema. die erste konsequenz nach einem monat, die zweite nach drei monaten, jetzt bahnt sich die nächste an. ich bleibe dabei, einmal problem erkannt und nicht änderbar, muss die konsequenz gezogen werden, auch wenn es weh tut.
aber so ein kleiner kosmos kann schnell aus den fugen geraten. gerade wenn die krätsche zwischen kosten minimieren und qualität aufrecht erhalten gegangen werden muss. jedes störfeuer geht an die substanz. bislang ist alles gut gegangen, doch ein grund mehr, mit konstanteren umsätzen mehr ruhe rein zu bekommen.