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29 März 2005

japan report

ie die zeit verfliegt! bin bereits zurueck in china und bei meiner endstation shanghai angekommen. noch drei wochen und ich betrete wieder germanischen boden, genauer gesagt am 16. april kann ich mich wieder auf knackiges koernerbrot stuerzen ….. noch oder wieder widme ich mich aber gerne vorerst der reisdiaet!

die letzten wochen waren ziemlich abwechslungsreich und ein schlussspurt (muss ich das eigentlich weiterhin in triple schreiben?) voller highlights.

im schwuel-heissen bangkok hatte ich mich ja gegen kambodscha und fuer japan entschieden, um mein schon von zuvielen eindruecken abgestumpftes kleinhirn nochmals durch einen tapetenwechsel zu reanimieren.

JAPAN
die route: tokyo -> kyoto -> koyasan -> nara -> tokyo

ich hatte ja keine ahnung, dass ich mich fuer ein richtig nordisches land entschieden habe! auf den ersten blick scheint japan mehr mit skandinavien gemein zu haben denn mit seinen asiatischen nachbarn. wahnsinn, dieses nordische licht, das alles durch einen blaufilter betrachten laesst und gleich eine ganz andere aesthetik schafft, eine, die mich wirklich umgehauen hat.
kann auch an dem ersten wunderschoenen tag mit sonne und blauem himmel in tokyo gelegen haben…..danach war eher kaelte, nieselregen und schnee angesagt.

nicht dass ich an kunst und kultur und religioesen staetten die letzten monate einen mangel gehabt haette. die japaner in ihrer klarheit und perfektion haben mich jedoch in einen wahren augenschmaus versetzt, da mein aesthetisches empfinden genau getroffen wurde. erst im nachhinein habe ich realisiert, wie ich in china regelrecht “verhungert” bin, da die positiven optischen reize doch spaerlich gesaet sind und auf einer anderen geschmackswelle stattfinden. und myanmar und thailand sind so verspielt und lieblich anzusehen, dass man manchmal schon ueberzuckert.

wie erhaben erscheint da japan auf den ersten blick. sauber und zivilisiert, gebildet und elegant, freundlich und wohlerzogen, geformt durch tausendjaehrige kultur. nach dem ersten rausch eine etwas realistischere betrachtung. die kultur haben die chinesen gebracht, selbst von indien beeinflusst. und die japaner haben sie zur perfektion gedrillt. haben mich die konfuzianischen wurzeln in china schon manchmal zum staunen gebracht, so fuehren sie in japan zu absurden ereignissen wie gruppen-suizid oder dem totalen oeffentlichen verdraengen der eigenen greueltaten im zweiten weltkrieg bis zum heutigen tage.

so westlich und damit vertraut die oberflaeche der japaner erscheinen mag – elegante markenkleidung, lifestyle und technologischer fortschritt, architektur, mehr schrittmacher denn nachmacher – so emotional komplex wird das gebilde darunter, wenn sichtbar. absolute hierarchie-hoerigkeit in beruf und familie sowie aeussere harmoniesuechtigkeit erschweren das verstaendnis zwischen ost und west und duerften insbesondere fuer die “thirty and something” generation zu einigen zerreisproben fuehren. die konformitaet ist enorm und erwuenscht,- darunter faellt auch die durchweg dunkle elegante einheitskluft in den staedten – selbstverwirklichung findet zumindest aeusserlich nur bei den juengeren mit zum teil sehr skurrilen outfits statt, aber witzig.

doch ich liebe japan! wer die spannbreite dieses landes gesehen hat, das progressive tokyo dem puls der zeit voraus und das historische kyoto als kulturelle wiege der nation, kann nur begeistert sein. der kontrast zwischen dem ‘hemdsaermligen” alltags-buddhismus in myanmar und der intellektuellen spiritualitaet in den japanischen kloestern koennte groesser nicht sein. insofern war der tapetenwechsel gelungen. frostige kaelte mit neuschnee statt sengender hitze, delikate koestlichkeiten fuers auge statt weichgekochte curries aus dem familientopf, freundliche arroganz statt geschwaetzige waerme, vornehme blaesse statt bauerngegerbte haut, und doch, ich bin in asien.

nicht zu vergessen die horrenden preise statt traveller schnaeppchen.
die guenstigste unterkunft kostete 40$ ausserhalb tokyos, dafuer gab es schlafen auf dem boden, badewasser teilen mit den anderen gaesten und der aufenthalt im zimmer war tagsueber nicht erwuenscht – aber es war sehr japanisch und traditionell. und wenn man sich nicht den japanischen delikatessen hingeben kann oder will, ist es nur halb so spannend. sushi ist so teuer wie nirgendwo, aber auch so frisch wie nirgendwo, und die geschmackssinne werden bei einem menu vom chefkoch herausgefordert, auch wenn man sich nicht immer sicher ist, was man gerade iss – ein grosser schluck sake hilft darueber hinweg! ich wusste gar nicht, dass der darm vom fisch so delikat sein kann:-)

die reise begann mit einem erlebnis ganz neuer art – ein erdbeben von 5,4 auf der skala mitten in der nacht. da zerspringen noch keine fenster und die japaner zucken nur mit der schulter, mich liess es jedoch das erschuettern eines gebaeudes spueren und das abstruse gefuehl, die erde zieht sich unter mir wie ein kaugummi auseinander, sehr ungut. und dann erfaehrt man, dass die wahrscheinlichkeit, dass in den naechsten 5-10 jahren ein schweres erdbeben tokio erschuettert, verdammt hoch ist.
nichtsdestotrotz ist tokyo eine wahnsinnsstadt. die strassen zugepackt mit neonreklamen und massen von menschen, wie man es von bildern kennt, trifft allerorten zu, sei es im nobelviertel ginza oder trendy jungen shopping- und vergnuegungsmeilen. zum ersten mal bin ich auf die massen von menschen getroffen, wie ich mir asien generell vorgestellt habe. gefuehle in der oeffentlichkeit scheinen jedoch weiterhin verpoent zu sein, hoechstens haendchenhalten, aber keine kuesse oder knutschszenen, erstaunlich. dafuer schlaeft man wie im rest asiens gerne und ueberall, sobald man ein paar minuten ruhe hat. macht sich komisch in der u-bahn, wenn der rest durchgaengig mit geschlossenen augen dasitzt und steht. was gibt es zu sehen? anspruchsvolle stadtarchitektur – nicht wie in china nur hoeher groesser weiter – luxusshoppingmeilen, tempel und kultur, szene und lifeacts in ueberfuelle, und einen fischmarkt, der meeresgetiere im ueberfluss und unglaublichen mengen bietet inkl. sushi mit dem besten fetten tunfisch um 8 uhr morgens:-) und ich fand mich zum ersten mal in einer asiatischen umgebung, wo nur eine person am tisch sitzend durchaus gaengig war.
der nachteil von tokyo: wer nicht gerade in london lebt, erlebt einen preisschock nach dem anderen.

weiter ging’s mit dem superschnellen zug gen sueden ins kulturelle herz japans nach kyoto und nara. wunderschoen und beeindruckend diese pracht an tempelanlagen und anderen relikten, erhaben und maechtig mit massivem dunklen holz und groessensuperlativen – habe mir lieber nicht vorgestellt, dass das meiste urspruenglich orange angemalt war. ein weltkulturerbe jagt da das naechste und man kann sich wochen beschaeftigen, ohne sich zu langweilen. glaube nun auch den sinn der gaerten verstanden zu haben, die oft nur wenige quadratmeter gross sind, aber mehr in bildern strukturiert sind, denn fuer das beschauliche durchwandeln. jetzt verstehe ich auch besser, was ich mir in chinas gartenstadt suzhou eigentlich tagelang angesehen habe…..
und zum abschluss ging es an einen ort in den bergen, der mehr als 60 kloester beheimatet und eines der religioesen hauptzentren japans ist, kyosan. alles inklusive: uebernachtung im kloster, vegetarische klosterkost, morgenzeremonie und andacht. allein die umgebung versetzt einen schon in andacht mit den dunklen riesigen baeumen und maechtigen tempelanlagen, in denen die religioesen riten noch ausgiebig zelebriert werden und gut hoerbar sind.

nach gut zwei wochen frost hat mich die aussicht auf warmes wetter doch wieder erfreut. und so wenig angenehm ich die japaner als touristen erlebt habe, so freundlicher erlebte ich sie im eigenen land. besonders die jungen erzeugen das ein oder andere schmunzeln. so sind die mcdonalds doch tatsaechlich der treffpunkt nach der schule, um dort die hausaufgaben zu erledigen oder sich mit freunden zu treffen.

das praegende bild jedoch bleibt fuer mich das chaotische gewirr von oberleitungen und kabeln, die ueberall vorzufinden sind und einen kontrast zur eher schlichten und geometrischen architektur bilden, genauso wie die darin laufenden menschen mit riesigen weissen mundschutzmasken.

Kommentare

Comment von golden-child
am: 14. September 2006, 20:24

ist japan nicht lebenswert… :) vorallem die kalten grünteesorten…

Comment von anna
am: 21. November 2006, 10:53

hallo,
hab grad deinen bericht gelesen und finde jetzt schon viele dinge wieder, obwohl ich erst eine woche da bin… in nara wohne ich jetzt eine weile. das kloster in kyosan – hast du da noch genauere angaben? bin grad dabei, mir verschiedene anzuschauen und über jeden hinweis dankbar!.
grüsse, anna

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