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10 Oktober 2004

china report II: von peking nach nordwest bis xi’an

ach meiner langsamen eingwoehnung in peking bin ich nun etwas tiefer in das land eingetaucht.

die route:
peking > datong > hohhot/innere mongelei > lanzhou/seidenstrasse > xiahe/nahe tibetisches hochland > xi’an

meinen aufenthalt in peking habe ich noch mit zwei tagen fahrradfahren gekroent. mich haben wohl alle anderen fuer verrueckt erklaert, wie ich in diesem chaos fahren koennte, doch ich fand es wunderbar. vor allem meine rauchenden fuesse waren entspannt darueber, dass sich nun die oberschenkel mal abmuehen duerfen. peking hat richtig schoen breite fahrradwege, entlang der abgasstickigen fahrspuren. aber nu, was solls? per pedes wird das auch nciht weniger, und im windschatten der erfahrenden pekinger habe ich die nicht existierenden regeln einigermassen verinnerlicht. und die chinesen fanden es auch prima, vor allem die monteure, die mein fahrrad, das fast stuendlich ein breakdown hatte, wieder richten durften. tja, da ist gleichmut angesagt. bin durch superschicke viertel und armenviertel getreten, habe schier chinesiche studenten umgefahren und mit dem bauarbeitern geshakert, die in schwindelhoehe ihre arbeit an den bauten verrichten, die nur ein ziel haben: get ready for o!
lympic games in 2008. das ganze land wird darauf gedrillt, und peking ist schon sauber und gerichtet. ueberall wird ueber 2008 geredet und geworben – den rest versteh ich dann nicht so recht, da immerhin unsere zahlenschreibweise sich auch hier durchsetzt. im fernsehen konnte ich verfolgen, wie wohl besonders fleissige helfer in grossen shows geehrt werden. so haelt man die leute bei laune!
ich denke, dass es fuer das land eine grossartige entscheidung war, die spiele hier stattfinden zu lassen, auch wenn dies hier politisch ausgeschlachtet wird. aber fuer die oeffnung ist es wie ein katalysator, die leute lernen englisch – was ich sehr begruesse – und haben eine vision vor augen, der welt das wenn auch zurechtgestutzte china zu praesentieren. ich bin 2008 in jedem fall dabei!

aber ich war dann doch ganz froh, die versmogte stadt verlassen zu koennen. um in die naechste, wenn auch kleinere stadt, zu kommen. ganz ehrlich, ob nun 3 millionen oder 5 oder 10 millionen. irgendwie ist alles eben immer nur gross und dreckig. unterschiedlich ist die tristess der staedte, abhaengig von der vorherrschenden industrie. mein erster stopp fuehrte nach datong, eine haessliche stadt die halb china mit strom versorgt und die dazugehoerige kohle schuerft. so sah das dann auch aus. ich habe mich in das tiefste saarland zurueckversetzt gefuehlt, weil sich auch dort die russpartikel niedergeschlagen haben. tja, und nun das chinesische pendant. aber natuerlich gab es einen grund dort hinzufahren: phantastische buddhafiguren, die in hoehlen eingemeiselt wurden. zur veranschaulichung: etwa 4 km lang befinden sich hoehlen, die zum teil buddhafiguren bis zu 25m hoehe verstecken. ihr koennt euch vielleicht vorstellen, welches gefuehl einen beschleicht, wenn man vorne gebuec!
kt reinlaeuft und dann so ein riesenteil auf einmal vor einem sitzt. beeindruckend. solche hoehlen gibt es noch weitere in der art, denn westlich und suedlich von peking befindet man sich auf dem pfad der jahrtausendjaehrigen geschichte der verschiedensten dynastien chinas. also kultur pur!

und dann habe ich mich doch fuer einen kleinen ausritt in der mongolischen steppe entschieden. ob das so eine gute idee war, ist mir nicht so klar, aber zumindest hat sie sich mit einer erkaeltung verewigt, die so langsam ausklimmt. von datong also weiter nach hohhot, der hauptstadt der inneren mongolei. von dort aus bin ich in einer zweitaegigen tour rein ins grasland oder zumindest an den rand. was ich vergass, dass das grasland auch seinen jahreszeiten unterliegt und dementsprechend…..ja, braun herbstlich war. die rasanten mongolischen steppenpferde erwiesen sich als lahmkranke klepper, und unser fuehrer hatte schweisstreibende muehen, die drei sturen boecke irgendwie unter kontrolle zu halten, wir wie idioten oben drauf. wir, d.h. felix aus freiburg und ich. wir haben also die augen geschlossen, an den grossen dschinges khan gedacht, und uns wehender haare hinterher galoppieren gesehen. und es war so kalt, ein wind, der durch alle haut und knochen ging. trotz geliehend!
er militaermaentel waren wir einfach nur schockgefroren. ab in die jurte, die zumindest einen kohlenofen hatte, aber zuviele loecher, als dass die waerme wirklich gehalten haette. es gab dann viel tee, hammelfleisch und kaelteschlaf. was uns aber entschaedigt hat, ist das fantastische fruehstueck mit den einheimischen an der bushaltestelle fuer die rueckfahrt. hier gab es naemlich nach der suppe – wieder mit hammelfleisch – so richtigen guten schnaps. es war ja auch immerhin nationalfeiertag, der erste 1.oktober und 55jahre seit der parteigruendung. bei dem wetter kann man sich richtig dran gewoehnen, ich meine, was sollen die auch im winter machen ausser schlafen, hammelfleisch essen und eben schnapstrinken. also, das richtige mongolenerlebnis muss man wohl weiter drin in der mongolei haben, aber dazu ist es jetzt einfach schon viel zu kalt.

und dann habe ich mich kurzzeitig mit dem gedanken angefreundet, mal eben nach tibet zu fliegen. gar nicht so einfach, da man fuer die einreise oft eine gebuchte tour vorweisen muss und eben eine genehmigung. ausser von xining, nicht allzuweit weg von hier, kann man unabhaengig einen flug buchen. auf dem weg dahin habe ich dann den traum ausgetraeumt, weil es natuerlich auch dort verdammt kalt nun wird und man einfach anders geruestet sein muss.
also habe ich mich zumindest fuer eine annaeherung entschlossen, an den rand des tibetischen hochlandes, wo eines der grossen kloster (kloster labrang) ausserhalb tibets liegt mit dem drittwichtigsten obersten nach dem dalai lama und pancha lama. das war nun auch wirklich eine sehr gute entscheidung, denn es war wunderschoen. das kloster liegt mitten im staedtchen, so dass leben und pilgerschaft ineinander uebergeht. in einem sehr schoenen tal gelegen blinken die goldenen daecher der gebaeude nur so in der sonne. und das wetter war traumhaft, wenn auch kaelter auf immerhin schon 3000m hoehe. die moenche in ihren roten kluften sowie die pilger praegen die stadt. aber nix da mit askese und so. ich denke, frauen und alkohol sind wirklich tabu, alles andere herzlich willkommen. die telekom verdient kraeftig an den moenchen, ebenso die taxen und lokalitaeten des ortes, wo die karge moenchsmahlzeit aufgepaeppelt und fernsehen geguckt wird. wirklich strange, aber doch witzig. getru!
ebt wird dieses idyll nur von dem wissen, dass vor gar nicht so langer zeit die chinesen hier fast alles platt gemacht haben. inzwischen ist es wieder aufgebaut und die chinesen kommen gerne hierher, um fotos zu knippsen und sich alte sachen anzusehen, mit denen man sich ablichten laesst, bestenfalls in highheels:-) daneben liegen die nomadenfrauen im dreck und legen den 4 km langen weg im wieder sich niederschmeissend zurueck.
und dann hat uns (mich und megan aus chicago) ein junger moench in seine behausung eingeladen zu tee und brot. die unterhaltung war etwas muehsam, aber die behausung sehr sauber und freundlich, was ich so gar nicht erwartet haette. inzwischen ist es wohl so, dass moenche fuer 5 oder 6 jahre in das kloster gehen. dadurch ist ihre familie sehr angesehen, bekommt allerlei verguenstigungen oder spenden vom dorf, und die moenche selbst erhalten eine ausbildung. hier wird z.b. medizin, philosophie, musik und kuenste gelehert. und danach koennen sie dann ein ganz normales leben fuehren. hat sich zu frueher auch geaendert.
und dann haben wir noch einen ausflug weiter in das hochland hinein gemacht, zu weiteren grotten. diese stellten sich dann als heilig heraus – zumindest waren pilger da – und es war ein ganz unangenehmer ort. hineingebaut in eine schlucht, lag drumherum eigentlich nur muell rum und was die buesche so bei wind einfangen. nachdem wir uns durchgekaempft hatten, ging es hinein in den berg bzw. die grotte. aber nicht so mit licht, sicherheitsabsperrungen und steighilfen, nein, stockdunkel, glitschig, muffig, matschig ging es in die hoehle rein. ich habe dann irgendwann stopp gemacht, weil es mir zu mulmig wurde. megan ist mit dem jungen moench, der uns dann gluecklicherweise ein bisschen licht nachtrug, noch weiter gegangen, wohl besser geschlittert. in jedem fall hoerten wir irgendwann nur noch geschrei, dass sich eher angsterfuellt anhoerte. ein anderer ami, der dabei war, wollte schon todesmutig entgegengehen, aber da erschien sie zum glueck. hier ist wohl eher der weg das zie!
l, da sich scheinbar nichts weiteres in den grotten befindet. und die alten frauen quaelen sich durch diesen gefaehrlichen morast. tja, wir wissen ja nun, das religion die komischsten sachen bewirken kann.

nach diesen herrlichen sonnentagen im hochland ging es wieder zurueck in die zivilisation. neun stunden busfahrt in einem abgewrackten kleinbus, um dann abends in den nachtzug nach xian zu steigen. eigentlich habe ich mit nachtzuegen gute erfahrungen gemacht, dieses mal gab es aber keine karten mehr – da das ende der nationalen urlaubstage war – und ich musste hartsitz buchen. und hart ist es dann auch. ich habe kein auge zugetan. die schnarchenden, rotzenden, spuckenden chinesen um mich rum, vor mir die toiletten, hmmmmm, hinter mir ein weinendes baby, das von seiner hoffnungslos ueberforderten mutter nur angebruellt wurde. so stellt man sich das reisen vor. aber andererseits ist es auch wieder interessant, die leute zu beobachten. denn diese klasse buchen vornehmend die “normalen” chinesen. man bekommt also viel mit. die naechste klasse ist weichsitz, dann hartliege und weichliege. weichliege kostet fast so viel wie ein flugticket und ist eine viererkabine. wird wohl gerne!
von der parteiklasse gebucht. hartliege ist eigentlich der beste kompromiss. drei etagen uebereinander sind liegen, unten noch zwei sitze, und ich finde es gar nicht so unbequem. auch hier nimmt man dann lebhaft am chinesischen alltag teil.

nun bin ich also in xi’an, wo es die beruehmten terrakotta soldaten gibt, die ich mir morgen ansehen werden. heute ist der erste regentag meiner reise, so dass ich es etwas gemuetlicher angehen lassen werde. bis ende des monats plane ich dann in shanghai anzukommen.

und hier noch einige themen aus dem leben:

ethnien und minderheiten – in den letzten zwei wochen bin ich durch regionen gekommen, die eigentlich von minderheiten beherrscht wurden, wie mongolen, moslems, tibeter und einige mehr. die chinesen haben da eine sehr subtile methode entwickelt, damit umzugehen. einfach soviele han-chinesen ( so nennen sich 90 prozent der bevoelkerung) hinschicken, bis die minderheiten wirklich minderheiten sind. das geschieht durch subventionen, befoerderungen, etc. daher gibt es meistens in den staedtchen einen sog. modernen chinesischen teil, und eben den alten kleinen urspruenglichen teil. etwa im selben verhaeltniss duerfte sich das einkommen verteilen.
auch hier laesst sich feststellen, das olympia die repressialien, den diese gruppen ausgesetzt sind, verkleinern laesst, da die touristen aus dem westen an dieser ethnienvielfalt interessiert sind. es ist aber auch ein wahnsinniger spagat zu bewaeltigen. in den staedten, wie schon berichtet, bekommt man alles, was das herz begehrt, und die chinesen mit geld geben dieses auch gerne aus. und auf dem land sieht man die bauern mit der hand den acker pfluegen oder nomaden durch die steppe ziehen. das ist fuer mich, was china bislang ausmacht: diese gegensaetze auf den unterschiedlichsten ebenen.

junge muetter aufgepasst – warum die teuren windeln kaufen, wenn man einfach bei den hosen den schritt nicht zunaeht und offen laesst. so koennen die kleinen jederzeit ihr geschaeft verrichten, und haben trotzdem nicht kalt. ich dachte, ich seh nicht recht, als ich das erste kind gesehen habe. bis ich bemerkte, so funktioniert es bei allen!
vielleicht eine neue geschaeftsidee fuer europa???

likes and dislikes – was mir wirklich immer wieder das herz erwaermt ist, wenn man auf der strasse einfach angesprochen wird oder mit ‘hello’ gegruesst wird. letztens hat mir eine braut zugerufen, die gerade fertig fuer’s foto stand. ich meine, die hatte doch eigentlich in dem moment ganz andere dinge im kopf, oder?
was ich wirklich hasse und an das ich mich nicht gewoehnen werde, ist dieses rotzen und spucken. ich meine, da hoerst du schon wie so richtig anlauf genommen wird, von ganz tief hinten, es sich langsam im mund sammelt, um dann mit einem zischigen geraeusch ausgespuckt zu werden. egal, wo man sich gerade befinden – auch im zug!. die kroenung ist dann noch das rotzen mitten auf die strasse, und natuerlich guck ich auch immer in dem moment hin, wenn sich der weg von der nase nach unten freigemacht wird. ekelhaft, manchmal empfinde ich wirklich einen wuergereiz. und auf die strasse sollte man eigentlich nie so genau gucken. ich habe gehoert, in einigen staedten ist es verboten worden. aber das dauert wohl noch etwas, bis es sich durchsetzt.

so, mit diesem unappetittlichen thema moechte ich nicht enden.

wie es mir auf der reise so geht?
ich gewoehne mich so langsam an den reisealltag mit planen, ankommen, organisieren. es ist alles schon sehr gut organisiert, so dass die groesste barriere die sprache bleibt. aber mit ein paar brocken und gedruckten schriftzeichen geht es immer irgendwie. mit englisch kommt man nicht so weit. etwa die haelfte der zeit habe ich mit anderen reisenden verbracht, was eine schoene abwechslung ist. es haengt halt immer davon ab, wieviel zeit jeder insgesamt zum reisen hat und ob man im norden gestartet ist oder aus dem sueden kommt. in jedem fall lerne ich sehr interessante leute kennen. etwa eine tuerkin in new york lebend, 45 jahre alt, die dokumentarfilme dreht und immer ein halbes jahr arbeitet und ein halbes jahr reist, am liebsten in zentralasien und der mongolei. also eher in den laendern, von denen man eher denkt, sie meiden zu sollen: pakistan, iran, usbekistan, kirgistan. muss wohl wunderschoen sein.

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